SOMMERZEIT IST REISEZEIT TEIL 2
TIPPS FÜR DIE REISE MIT DEM HUND

Dr. Birgit Seitlinger
 
Oft ist im Sommer eine längere Reise geplant und viele Menschen nehmen ihren Hund mit auf Urlaub. Prinzipiell eine gute Idee, denn auch Hunde lieben die Abwechslung.

Denken Sie vorab daran, dass Sie unter Umständen Papiere, Untersuchungen o.ä. für die Einreise benötigen. Ein paar Tage vor dem Urlaub ist es meist zu spät, daher sollten Sie rechtzeitig nachfragen. Auskunft gibt Ihnen am besten Ihr Tierarzt oder der jeweilig zuständige Amtstierarzt (Magistrat oder BH) oder auch die Botschaft des entsprechenden Landes.

Auch die Unterkunft muss sorgfältig ausgewählt werden. Nicht in jedem Hotel sind Hunde erlaubt, zum Teil sind beträchtliche Aufpreise zu zahlen und auch auf Campingplätzen oder in kleineren Pensionen kann die Mitnahme von Hunden generell verboten sein. Die spontane Herbergssuche kann sich aus diesen Gründen schwierig gestalten.

Nähere Informationen zur Wahl des Verkehrsmittels, der Reiseapotheke und andere Tipps zu diesem Thema finden Sie auch unter:

„Sommerzeit ist Reisezeit Tipps für die Reise mit dem Hund, Teil 1“.

Sollten Sie den Urlaub ohne Ihren Hund oder Ihre Katze verbringen, denken Sie rechtzeitig daran, eine geeignete Tierpension zu suchen oder idealer weise einen „Hunde- bzw. Katzensitter“ aus dem Verwandten – oder Bekanntenkreis zu organisieren.

Prinzipielle Voraussetzungen zur Einreise in fremde Länder

Seit 3.7.2004 müssen alle Hunde, Katzen und Frettchen im internationalen Reiseverkehr gemäß EU – Verordnung mittels Mikrochip (oder Tätowierung) gekennzeichnet sein. Außerdem muss der sogenannte EU - Heimtierpass mitgeführt werden, der beim Tierarzt erhältlich ist und den davor üblichen Internationalen Impfpass ersetzt.

Generell sollen durch diese Verordnung Einreisebestimmungen vereinheitlicht und die Reise in verschiedene Länder somit erleichtert werden. So sind amtstierärztliche Gesundheitszeugnisse nicht mehr notwendig. Für einzelnen Länder können aber dennoch unterschiedliche Bedingungen und Fristen gelten.
Die genaue Information das eigene Urlaubsziel betreffend, ist daher wichtig und sollte rechtzeitig (!) vor dem Urlaub eingeholt werden.

Prinzipiell wird jedoch in jedem Land eine gültige Tollwutimpfung, die im EU Heimtierpass eingetragen sein muss, verlangt.

Für bestimmte Länder müssen noch zusätzliche Bedingungen zur Einreise erfüllt werden - z.B. eine Tollwut – Antikörperbestimmung. Der sog. Antikörpertiter wird aus einer Blutprobe, die vom Tierarzt abgenommen und an ein autorisiertes Labor gesandt werden muss, bestimmt und muss einen festgelegten Zeitraum vor der Einreise bzw. nach der letzten Tollwutimpfung vorgenommen werden. Das Ergebnis der Titerbestimmung wird ebenfalls im EU Heimtierpass vermerkt und kann so jederzeit vorgewiesen werden. Ist er über einem bestimmten Wert, reicht diese eine Titerbestimmung für das ganze Leben des Hundes, muss also bei neuerlicher Einreise nicht nochmals bestimmt werden.

Zu beachten ist auch, dass zusätzlich bei der Durchreise oder Einreise aus sog. Drittstaaten die entsprechenden Bestimmungen erfüllt werden müssen. So wird z.B. bei der Einreise nach Kroatien oder Ungarn über Serbien oder Montenegro eine Tollwuttiterbestimmung verlangt, die generell bei der Einreise nach Kroatien (aus anderen Ländern) nicht vorgewiesen werden muss.

Nähere Informationen siehe auch: „Einreisebestimmungen einzelner Länder (Auswahl)

„Reisekrankheiten“ – was versteht man darunter?

Neben den Formalitäten, die - wie im vorigen Absatz besprochen – eingehalten bzw. rechtzeitig erfüllt werden müssen, lauern noch andere Gefahren in fremden Ländern auf uns und unsere Vierbeiner.

Unter „Reisekrankheiten“ versteht man üblicherweise Infektionskrankheiten, die auf den Hund übertragen und in anderen Ländern, aber auch bereits in Österreich vorkommen bzw. häufig auftreten. Länder, in denen diese Erreger häufig sind, d.h. die Ansteckungsgefahr sehr hoch ist, nennt man Endemiegebiete. Diese Gebiete können Teile eines Landes, einzelne Bezirke oder aber auch das ganze Land und die Nachbarstaaten mit einschließen. Dies ist bei der Wahl der Reiseroute bzw. des Urlaubslandes zu bedenken.

Durch den internationalen Reiseverkehr, Importe, aber auch durch geänderte Klimabedingungen können heutzutage Infektionen schon in Ländern nachgewiesen werden, die früher nicht betroffen waren.

Zu den wichtigsten Reisekrankheiten zählen die Borreliose, die Babesiose, die Leishmaniose und die Ehrlichiose oder Anaplasmose.

Die Borreliose

Borrelien sind Bakterien, die in freilebenden Nagetieren, anderen Wildtieren und auch Vögeln persistieren und durch den Biss von Zecken der Gattung Ixodes (z.B. Ixodes ricinus – der Holzbock) auf Menschen oder eben auch auf Hunde übertragen werden.

Die Borreliose ist in Europa, Amerika und Asien weit verbreitet. Hier existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Borrelienarten, die in den verschiedenen Ländern unterschiedlich häufig vorkommen.

Die Übertragung erfolgt ca. 48 Stunden nach Beginn des Saugakts der Zecke. Die Erreger werden mit dem Speichel der Zecke in die Haut des Wirtes (also des Hundes) abgegeben und wandern von dort weiter ins Gewebe, von wo aus sie verschiedene Organe (z.B. die Haut oder die Gelenke) besiedeln können.

Die Symptome einer Erkrankung sind sehr unspezifisch und können auch erst bis zu 5 Monate nach einer Infektion auftreten. Der typischen Rötung der Haut beim Menschen stehen beim Hund Symptome wie Fieberschübe, wechselnde Lahmheiten, Schwellung der Gelenke, aber auch Mattigkeit und Lymphknotenschwellungen gegenüber.

Auch die Diagnose ist schwierig zu stellen, da die Erreger oft nicht direkt nachgewiesen werden können und eine Antikörperbestimmung häufig keine eindeutigen Hinweise geben kann.

Die Behandlung ist allerdings gut mit einem entsprechenden Antibiotikum möglich.
Auch ist in Österreich seit ein paar Jahren ein Impfstoff gegen eine bestimmte Borrelienart (nicht gegen alle!) erhältlich.

Ob diese Impfung für Ihren Hund sinnvoll ist, sollte im Einzelfall entschieden werden.

Die wichtigst Maßnahme gegen eine Erkrankung bleibt sicher auch in Zukunft, die sog. Zeckenprophylaxe – also die Vorbeugung eines Zeckenbefalls – mit geeigneten beim Tierarzt erhältlichen Mitteln und die möglichst rasche Entfernung bereits am Tier befindlicher Zecken.

Die Babesiose

Auch Babesien sind Erreger, die von blutsaugenden Zecken übertragen werden.
Es gibt sehr viele unterschiedliche Babesienarten, die sich an die unterschiedlichen Zeckenarten und die verschiedenen Tierspezies angepasst haben. Neben Hunden können z.B. auch Schafe, Pferde oder Rinder befallen werden. Im Gegensatz zur Borreliose werden Babesien v.a. von der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) und der braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen.

Endemiegebiete sind Nordafrika und der gesamte Mittelmeerraum, Südeuropa bis in den Norden Frankreichs, Ungarn und Teile Polens, aber auch Herde in Deutschland werden beschrieben.

Eine akute Infektion zeigt sich spätestens 28 Tage nach Ansteckung mit Fieber, Mattigkeit und Appetitlosigkeit. Durch Zerfall der roten Blutkörperchen kommt es zu einer Anämie und einer Rotfärbung des Harns.
Aber auch chronische Infektionen mit weniger deutlichen Symptomen kommen vor.

Der Erreger bleibt meist lebenslang im Blut nachweisbar. Auch Antikörper können nachgewiesen werden.
Die Behandlung der Erkrankung ist allerdings schwierig, da Medikamente in Österreich (und auch Deutschland) oft nicht zugelassen und daher nur mit spezieller Genehmigung erhältlich sind.
Auch hier ist die Vermeidung von Zeckengebieten bzw. von direktem Zeckenbefall wichtigste Schutzmaßnahme.

Die Leishmaniose

Leishmanien sind Parasiten, die durch blutsaugende Sandmücken übertragen werden.

Auch bei den Leishmanien existieren verschiedene Arten, so werden in Nordafrika andere Arten als in Europa nachgewiesen. Die Verbreitung der Erreger korreliert mit den Verbreitungsgebieten der Sandmücken. Dies sind alle Mittelmeeranrainerstaaten, aber auch in Deutschland konnten bereits Sandmücken nachgewiesen werden.

Hochendemiegebiete (bei der Urlaubsplanung berücksichtigen!) sind: Südfrankreich, die Balearen, Andalusien, Portugal, Zentral- und Süditalien (v.a. Sizilien), sowie Zentral- und Südgriechenland.

Auch Tiere, die aus entsprechenden Ländern nach Österreich importiert werden, sind potentiell Leishmaniose gefährdet und sollten vor (!) der Aus- bzw. Einfuhr entsprechend untersucht werden.

Träger der Krankheit können Monate bis sogar Jahre symptomlos bleiben, d.h. nicht erkranken.

Betroffene, d.h. erkrankte Tiere zeigen Lymphknotenschwellungen, sowie oft schuppige Hautveränderungen v.a. an den Ohrrändern, am Nasenspiegel und um die Augen. Ausserdem kann eine reduzierte Belastbarkeit des Hundes auffallen.
Die Erreger können direkt aus den veränderten Hautstellen oder auch vergrößerten Lymphknoten nachgewiesen werden. Auch eine serologische Abklärung (also eine Antikörperbestimmung) ist möglich.

Als Therapie eignen sich verschiedene Kombinationstherapien. Eine vollständige Elimination des Erregers gelingt jedoch nicht.

Daher ist die Vermeidung der Endemiegebiete, sowie die Vorsorge gegen die übertragenden Mücken, die beste Vorbeugung.

Auch für den Menschen ist die Leishmaniose gefährlich, v.a. Kleinkinder und immungeschwächte Personen sind gefährdet.

Die Ehrlichiose/Anaplasmose

Ehrlichien und Anaplasmen sind Bakterien, die in Europa von der braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) und vom Holzbock (Ixodes ricinus) übertragen werden.

Die Verbreitung der Erkrankung entspricht wiederum der Verbreitung der jeweiligen Zeckenart. Erstere kommt v.a. in Zentral – und Südfrankreich, den Mittelmeeranrainerstaaten, Portugal und den Kanaren vor, der Holzbock in Skandinavien, Großbritannien, Deutschland, Polen, Ungarn, Österreich, Tschechien, Slowenien, Kroatien, Bulgarien, Frankreich, sowie Nordspanien und –italien.

In der akuten Phase sind die Symptome nach einer Ansteckung meist mild und unspezifisch, Fieberschübe, Lethargie und Augen- und Nasenausfluß sind möglich. Später kann es zu erhöhter Blutungsneigung (z.B. spontanes Nasenbluten) mit Anämie und Gewichtsverlust kommen.

Die Erreger können direkt aus dem Blut oder serologisch mittels Antikörper nachgewiesen werden.

Die Therapie erfolgt mit Antibiotika. Die Zeckenprophylaxe sollte wiederum an erster Stelle stehen. Auch für den Menschen sind diese Erreger gefährlich.

Trotz dieser Vielzahl an Gefahren, die auch auf unsere Hunde in den Urlaubsgebieten lauern, sollte dem Urlaub mit dem Hund mit entsprechender Planung und sinnvollen Vorsorgemaßnahmen nichts im Wege stehen. Informieren Sie sich rechtzeitig und denken Sie auch an die Reiseapotheke für sich und Ihren Vierbeiner.

Einreisebestimmungen einzelner Länder - Auswahl


Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das Team der Kleintierpraxis Alkoven.
Wir beraten Sie gerne.

Viel Freude und schönen Urlaub wünscht Ihnen
Ihre Kleintierpraxis Alkoven