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Was sie über das Fortpflanzungsverhalten Ihres Hundes wissen sollten

Jeder Hundebesitzer steht irgendwann vor dem Problem, sich mit dem Fortpflanzungsverhalten bzw. den hormonellen Geschehnissen seines Hundes – und das betrifft Hündinnen gleich wie Rüden – auseinandersetzen zu müssen. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn Sie sich einen älteren bereits kastrierten Hund ins Haus holen. Für Züchter sollte ein gewisses Grundwissen Voraussetzung sein, doch auch als „normaler“ Hundeführer sind viele Dinge nicht uninteressant.

Allgemeines zum Zyklus der Hündin

Jede Hündin wird, sobald sie geschlechtsreif ist, auch läufig und kann dann, einen geschlechtsreifen Rüden und erfolgreichen Deckakt vorausgesetzt, Welpen austragen bzw. werfen. Der Eintritt der Geschlechtsreife hängt einerseits mit der Rasse bzw. Größe des Hundes zusammen, andererseits ist diese auch von der Jahreszeit abhängig. Generell gilt, dass  Hunde kleiner Rassen früher läufig werden als große. So kann die 1. Läufigkeit (LFK) bereits mit ca. 7 Monaten eintreten oder aber auch erst mit einem Alter von 12 bis 14 Monaten. Den richtigen Zeitpunkt zu erahnen ist meist schwierig. Neben der Rasse kann auch das Alter der 1. LFK der Mutterhündin, sollte es bekannt sein, wertvolle Informationen liefern.

Sollte gemeinsam mit der Hündin auch ein Rüde im gleichen Haushalt gehalten werden, ist es nicht unerheblich zu wissen, wann die Läufigkeit eintritt, sodass unerwünschter Nachwuchs verhindert werden kann. Neben den bereits erwähnten Richtlinien, ist genaues Beobachten der Hunde (auch des Rüden) von Vorteil.

Neben körperlicher Veränderung im Laufe der Pubertät, wie Muskelaufbau, Veränderung des Körperbaus, Größer werden der Zitzen und der Vulva (Scham), treten auch Verhaltensänderungen auf. Unter dem Einfluss der Sexualhormone (Östrogene bzw. Testosteron) beginnt auch die Produktion von sogenannten Pheromonen (artspezifische Duftstoffe), die fremden Hunden die sexuelle Reifung anzeigen. Das Verhalten untereinander ändert sich. Im Wolfsrudel ist jetzt der Zeitpunkt der „Abnabelung“ gekommen, auch die Hierarchie wird in Frage gestellt. In Mehrhundehaushalten beginnen hier oft Probleme, die sich durch diese natürliche Entwicklung ergeben, für den Besitzer aber oft plötzlich und unerwartet auftreten. Nicht nur das Verhalten im eigenen Rudel (Mensch – Hund) ändert sich, auch die Beziehung zu anderen (fremden) Hunden, aber auch die Wahrnehmung der Umwelt kann sich verändern. Hier treten dann oft Verhaltensauffälligkeiten zu tage, die Ihre Ursache in frühen Welpentagen haben, für den Besitzer aber plötzlich im Zusammenhang mit der Pubertät auftreten und auch häufig dann erst zum Problem werden. Je früher jedoch Probleme erkannt werden, desto schneller kann geholfen werden.

Die einzelnen Zyklusphasen

Die Läufigkeit der Hündin beginnt mit dem sogenannten PROÖSTRUS, der ca. 1 Woche dauert und von einem Anschwellen der Scham und blutigem Ausfluss begleitet wird. Dieser Ausfluss ist auch für den Besitzer äußeres Zeichen, dass die Läufigkeit eingetreten ist. Die Menge des Ausflusses kann allerdings sehr unterschiedlich sein. Während manche Hündinnen nur tropfenweise Blut verlieren, das sofort abgeschleckt wird, ist bei anderen die Blutung deutlich ausgeprägt.

In jedem Fall sollte der 1. Tag der Läufigkeit vermerkt werden. Einerseits ist es im Hinblick auf die Verhinderung von tierischem Nachwuchs wichtig, die fruchtbaren Tage besser eingrenzen zu können, andererseits aber auch für erwünschten Zuchterfolg notwendig. Veränderungen des Zyklusgeschehens, wie z.B. verlängerte LFK, Ausbleiben derselben oder eine krankhafte Veränderung des Ausflusses sollten v.a. bei älteren Hündinnen frühzeitig erkannt werden, da sie wertvolle Hinweise auf zugrundeliegende Krankheitsursachen liefern können.

Nach dem ca. 1 Woche dauernden Proöstrus beginnt nun der sog. ÖSTRUS. Der Ausfluss wird langsam heller und meist auch weniger. Dies charakterisiert den Beginn der sog. Steh- oder Duldungsphase und damit den Zeitpunkt der Ovulation. Die Hündin „steht“, d.h. duldet das Aufreiten und letztlich die Deckung durch einen Rüden. Bei Berührung im Beckenbereich, hebt sie die Rute zur Seite und präsentiert ihre Scham. Sie sucht auch meist aktiv den Kontakt zu Rüden und markiert bei Spaziergängen sehr häufig (häufiger Harnabsatz).

Genauere Auskunft über den Zyklus gibt hier eine gynäkologische Untersuchung beim Tierarzt. Dies ist v.a. bei Zuchthündinnen sinnvoll, wenn der ideale Deckzeitpunkt möglichst genau vorhergesagt werden soll. Die 1. LFK sollte allerdings keinesfalls für eine geplante Trächtigkeit herangezogen werden, da die Hündin zu diesem Zeitpunkt noch nicht völlig ausgewachsen ist.  Bei den meisten Zuchtverbänden ist dies ohnehin in den Zuchtbestimmungen geregelt. Auch müssen rassespezifische Untersuchungen natürlich vor der Trächtigkeit vorgenommen werden. Eine HD – Untersuchung bei einer bereits trächtigen Hündin ist wohl kaum sinnvoll!

Vermeidung der Trächtigkeit

Sind Sie nun nicht Züchter, sondern „nur“ Hündinnenbesitzer, ist es in erster Linie wichtig, eine Trächtigkeit zu vermeiden. Dies gelingt durch genaues Beobachten oben genannter Symptome. Die Duldungsphase tritt meist zwischen 8. und 12. Tag der LFK auf – doch Achtung, auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel (eine Deckung kann auch sehr viel später noch stattfinden).

In dieser Zeit sollten Hundeansammlungen gemieden werden (gilt auch für Hundekurse und Prüfungen) und die Hündin keinesfalls unbeaufsichtigt ins Freie gelassen werden. Auch ein Zwinger bietet nicht immer ausreichend Schutz! Leben Hündin und Rüde im gleichen Haushalt müssen diese unbedingt während der gesamten (!) Dauer des Östrus getrennt gehalten werden.

Findet kein Deckakt statt, klingen im Laufe der 3. LFK – Woche die Symptome langsam ab, bis der Ausfluss ganz verschwindet und wieder eine hormonelle Ruhephase – der ANÖSTRUS – eintritt. In diesem Zustand befindet sich die Hündin nun bis zum Beginn des nächsten Östrus, der wie erwähnt ca. 6-8 Monate später von neuem beginnt.

Die trächtige Hündin

Tritt eine Trächtigkeit ein, fällt diese meist durch eine Veränderung der körperlichen Verhältnisse auf. Eine Zunahme von Körpergewicht und eine Vergrößerung der Zitzen bis hin zur Milchproduktion ist typisch. Doch auch eine Scheinträchtigkeit kann mit gleichen Symptomen einhergehen!

Die Tragzeit beim Hund beträgt ca. 62 Tage. Kann eine Trächtigkeit nicht sicher ausgeschlossen werden, hilft eine Vorstellung beim Tierarzt, der je nach Zeitpunkt, eine Trächtigkeit mittels Ultraschalluntersuchung oder einem Bluttest bestätigen bzw. ausschließen kann.

Kann eine Trächtigkeit ausgeschlossen werden und zeigt die Hündin dennoch Zeichen einer Trächtigkeit (vergrößerte Zitzen, ev. sogar mit Milchproduktion, verstärktes Anlehnungsbedürfnis, Nestbau, Unruhe etc.) liegt meist eine sog. Scheinträchtigkeit vor. Hiergegen helfen geeignete Präparate, die beim Tierarzt erhältlich sind.

Die Kastration

Soll eine Trächtigkeit auf Dauer verhindert werden, ist die beste Methode, eine möglichst frühzeitige Kastration der Hündin. Am besten wird sie zum Zeitpunkt des Anöstrus, also zwischen 2 Läufigkeiten, durchgeführt.

Leider hält sich immer noch hartnäckig das Gerücht in Hundekreisen, dass eine Hündin einmal Junge haben sollte, bevor sie kastriert wird. Das ist unrichtig, ebenso wie eine Kastration negative Auswirkungen auf das Lernverhalten bzw. die Arbeitsbereitschaft habe.

Erwiesen ist dagegen, dass eine zu einem frühen Zeitpunkt durchgeführte Kastration, das Risiko der Hündin an einem Mammatumor (Brustkrebs) zu erkranken deutlich senkt und das Entstehen einer eitrigen Gebärmutterentzündung (Pyometra) verhindert. Vor allem Hündinnen, die bereits nach der 1. LFK scheinträchtig werden, haben ein erhöhtes Risiko an Brustkrebs zu erkranken.

Daher ist eine frühzeitige Kastration bei Hündinnen, die nicht zur Zucht verwendet werden sollen, aus medizinischen Gründen jedenfalls anzuraten.

Der Rüde

Auch bei Rüden stellt sich immer wieder einmal die Frage nach einer Kastration. Medizinische Notwendigkeit besteht dann, wenn einer Vergrößerung der Prostata (sog. Prostatahyperplasie) vorliegt. Dies kommt relativ häufig bei älteren Rüden vor und zeigt sich meist durch Verlieren von tropfenweise Blut aus der Harnröhre. Dies geschieht häufig unabhängig vom Harnabsatz (z.B. am Schlafplatz). Aber auch Kotabsatzprobleme, da die Prostata bei hochgradiger Vergrößerung den Enddarm einengen kann, können die Folge sein.

Allgemein gilt, dass bei Rüden die Kastration aus medizinischen Gründen weitaus weniger häufig durchgeführt werden muss als beim weiblichen Tier.

Hier sollte also individuell entschieden werden. Beim männlichen Hund sind es v.a. Verhaltensauffälligkeiten (wie Hypersexualität – z.B. Aufreiten auf Personen oder Gegenstände), die eine Kastration durchaus sinnvoll erscheinen lassen.

DIABETES MELLITUS – ZUCKERKRANKHEIT AUCH BEIM TIER?

Diabetes mellitus – die “Zuckerkrankheit”, ist eine nicht nur beim Menschen wohlbekannte, sondern auch beim Tier vorkommende Stoffwechselerkrankung.

Beim Hund sind meist ältere Tiere betroffen, am häufigsten die Rassen Dackel, Beagle, Zwergschnauzer oder Pudel. Selten ist Diabetes bei ganz jungen Tieren. Auch Katzen können an Diabetes erkranken.

Warum das einzelne Tier an Diabetes mellitus (D.m.) erkrankt, andere aber nicht, ist nicht eindeutig erklärbar. Sicher ist eine gewisse familiäre Häufung und wie bereits erwähnt ein gehäuftes Auftreten bei bestimmten Rassen.

Auch Mischlinge können natürlich an Diabetes mellitus erkranken Übergewichtige Tiere erkranken häufiger, wohingegen sonst die Ernährung wenig Einfluss auf das Ausbrechen der Erkrankung hat, v.a. wenn mit herkömmlichen Futtermitteln gefüttert wird. “Mein Hund bekommt eh keine Schokolade, der kann nicht zuckerkrank sein” hört man von vielen Besitzern. Diabetes kann natürlich trotzdem auftreten.

Hingegen können aber Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (sog. Pankreatitis) eine Zuckerkrankheit hervorrufen oder auch den Verlauf der Krankheit verschlimmern. Auch die erfolgreiche Einstellung der Insulintherapie kann dadurch erschwert werden. Vermutet wird auch, dass manche Medikamente, Infektionen oder Autoimmunvorgänge am Ausbrechen beteiligt sein können. Meist trifft den Tierbesitzer die Diagnose “zuckerkrank” aber unerwartet und ohne direkt erkennbaren Auslöser.

Wie erkenne ich nun, dass mein Hund an Diabetes mellitus erkrankt sein könnte?

Wie bei allen Stoffwechselerkrankungen, sind regelmäßige Untersuchungen (Stichwort “Vorsorgemedizin”) sinnvoll und vor allem bei älteren Tieren (große Rassen ab ca. 7-8 Jahren, kleinere ab ca. 9-10 Jahren, Katzen ab ca. 8 Jahren) anzuraten. Nur wenn man die Normalwerte kennt, sind Abweichungen schnell zuzuordnen. Natürlich ist ein genaues Beobachten des eigenen Hundes für Sie als verantwortungsvoller Tierbesitzer besonders wichtig, denn dies kann Ihrer Tierärztin wertvolle Hinweise über den Gesundheitszustand Ihres Vierbeiners liefern.

Meist fällt dem Besitzer vermehrter Durst und auch vermehrter Harnabsatz auf, gleichzeitig kommt es oft bei gesteigertem Appetit zu einem Gewichtsverlust des Tieres. Diese Veränderungen bestehen in den meisten Fällen schon länger, bevor sie vom Besitzer bemerkt werden. Im Falle von vermutetem gesteigertem Trinkverhalten empfiehlt es sich, die tatsächlich getrunkene Wassermenge abzumessen und im Zweifelsfall mit dem Tierarzt zu besprechen.

In jedem Fall sollte der Hund aber, wenn eines oder gar mehrere der oben genannten Symptome auffallen, dem Tierarzt vorgestellt werden. Neben einer genauen klinischen Untersuchung wird der Tierarzt bzw. die Tierärztin dann zu einer Blutuntersuchung raten. Auch andere Stoffwechselerkrankungen können zu ähnlichen oder gleichen Symptomen führen und diese sollten zu Beginn ausgeschlossen bzw. bestätigt werden.

Im Falle eines Diabetes mellitus ist der Blutzucker (Blutglucose) deutlich erhöht, hingegen andere Organwerte (z.B. Nierenwerte) meist (noch) in der Norm. Der Blutuntersuchung sollte eine Harnuntersuchung folgen. Auch im Harn ist die Glucose oft deutlich erhöht, da der Körper versucht, den vermehrt anfallenden Blutzucker über die Niere auszuscheiden. Als Folge kommt es häufig zu Harnwegsinfekten (Blasenentzündung), da der ausgeschiedene Zucker den idealen Nährboden für Bakterien darstellt. Manchmal sind wiederholte Untersuchungen oder auch das Einschicken von Blut und/oder Harn in ein Labor notwendig.

Was tun, wenn nun ein Diabetes mellitus bei Ihrem Hund festgestellt wurde?

Die Therapie der Wahl ist eine Behandlung mit Insulin. Eine Behandlung mit blutzuckersenkenden Tabletten hat sich beim Tier im Gegensatz zum Mensch nicht bewährt. Insulin sollte auch beim Tier idealerweise 2 mal täglich (unter die Haut) injiziert, d.h. gespritzt werden.

Dies wird von den meisten Tieren (auch Katzen!) problemlos toleriert. Meist beginnt man mit einer mittleren Dosis und versucht nach ein paar Tagen der Gewöhnungsphase den Zuckerspiegel des Tieres optimal einzustellen. Dazu sind dann mehrere Blutzuckermessungen (z.B. alle 2 Stunden) und das Erstellen einer sogenannten Zuckerkurve notwendig. Entsprechend der Ergebnisse kann die benötigte Insulinmenge angepasst und dann beibehalten werden. Danach sind Zuckermessungen nur mehr in größeren Abständen notwendig (alle 2 – 4 Monate).

Im Idealfall kann die Blutglucose, die von verschiedenen äußeren Faktoren, wie Futterart, -menge und der Futteraufnahme generell, sowie auch der Bewegung des Tieres abhängig ist, so eingestellt werden, dass sie über den gesamten Tag gesehen möglichst wenigen Schwankungen unterliegt.

Wie erkenne ich, dass der Zuckerspiegel richtig eingestellt ist?

Ist die Insulinmenge zu hoch gewählt, kann es zu Phasen des Unterzuckers (Hypoglykämie) kommen, die bis zum Kollabieren des Tieres führen. Dies muss rasch erkannt werden und kann in Erster Hilfe mit Einstreichen der Zunge z.B. mit Honig behoben werden. Bleibt der Zucker im Blut des Tieres dagegen hoch, sind Schäden anderer Organe die Folge, die letztendlich auch zum Tod des Tieres führen können.

Aus eben Gesagtem geht schon hervor, dass ein enger Kontakt zum behandelten Tierarzt erforderlich und eine gute Gesprächsbasis notwendig und hilfreich ist. Denn dieser kann nur mit Ihnen gemeinsam, das Tier optimal therapieren. Auch in der Humanmedizin sind “Diabetesschulungen” selbstverständlich.

In erster Linie erkennt man das Greifen der Therapie an einer oft relativ raschen Verbesserung der klinischen Symptomatik. Das heißt, der Hund trinkt wieder normale Mengen Wasser, muss in der Nacht nicht mehr hinaus und beginnt etwas zuzunehmen.

Was kann ich neben einer Insulintherapie noch für meinen zuckerkranken Hund tun?

Ganz wichtig ist eine entsprechende Diät. Inzwischen sind von fast allen Diätfutterherstellern entsprechende Futtermittel im Handel. Diese sind meist in Trockenfutterform, manchmal auch als Dosen erhältlich. Nicht nur die Art, auch Zeitpunkt und Menge der Fütterung sollte möglich standardisiert (immer gleich) sein.

Ideal ist die Fütterung eine halbe Stunde nach der Insulininjektion.

Wenn ein Tier gar nicht frisst, muss die Dosis entsprechend angepasst werden, auch hier gilt, Rücksprache mit der behandelten Tierärztin halten. Auch die Bewegung des Tieres sollte möglichst gleichförmig sein. Anstrengung und auch Stress verursachen eine Veränderung des Blutzuckerspiegels, die Insulindosis muss dann daran angepasst werden. Daher sollte Stress so gut als möglich überhaupt vermieden werden.

Auch wenn vieles aufwendig und kompliziert erscheint, ist Diabetes mellitus beim Hund eine doch häufige Stoffwechselerkrankung, die mit einem gewissen Maß an Mithilfe von Seiten des Tierbesitzers gut in den Griff zu bekommen ist und Ihrem Tier das Leben trotz Erkrankung deutlich verlängern und verbessern kann.

Die Reiseapotheke

Nicht nur für die Fahrt, sondern auch für die Zeit am Urlaubsort sollten Sie eine gut bestückte Reiseapotheke für den Hund mitführen. Erkundigen Sie sich rechtzeitig bei Ihrem Tierarzt, welche Medikamente sinnvoll sind. Apropos, die Telefonnummer Ihres Tierarztes sollte jederzeit griffbereit (im Handy einspeichern!) sein. Im Notfall, sowie in Stresssituationen in einem fremden Land haben Sie sicher nicht die Zeit, lange nach der richtigen Nummer zu suchen. Zusätzlich wäre es ratsam, vorab Erkundigungen einzuholen, wo sich am Urlaubsort der nächste Tierarzt befindet.

Was in der Apotheke keinesfalls fehlen sollte:

  • Zeckenzange
  • Fieberthermometer
  • Ohrreiniger und ev. Augensalbe (Tierarzt fragen!)
  • Präparate gegen Durchfall bzw. zur Stabilisierung der Darmflora
  • Ev. Diätfutter (z.B. Magen Darmschonkost), wenn Ihr Hund zur Unverträglichkeit neigt
  • Verbandmaterial
  • Desinfektionsmittel (z.B. Betaisodona Lösung u./od. Spray)
  • Pinzette, um kleine Splitter entfernen zu können
  • Krallenzange
  • Floh – und Zeckenprophylaxe bzw. Entwurmung. Die Behandlung gegen Flöhe, Zecken und Würmer sollte idealerweise rechtzeitig vor dem Urlaub erfolgen.

Achtung: In vielen Ländern gibt es durch Parasiten (Zecken, Flöhe, Mücken) übertragene Krankheiten, die für den Hund sehr gefährlich sein können. Oft ist die Behandlung schwierig und langwierig, sodass einer Vorbeugung immer der Vorzug zu geben ist. Hierbei sei z.B. an die Borreliose und Babesiose (Ungarn) oder die Leishmaniose (Südspanien, Griechenland) gedacht, auch Herzwurmerkrankungen werden leider immer häufiger. Gegen die übertragenden Parasiten sind inzwischen wirksame Präparate auf dem Markt. Fragen Sie Ihren Tierarzt, welche speziellen Medikamente geeignet sind.

„Reisekrankheiten“ – was versteht man darunter?

Neben den Formalitäten, die vor Auslandsreisen eingehalten bzw. rechtzeitig erfüllt werden müssen, lauern noch andere Gefahren in fremden Ländern auf uns und unsere Vierbeiner.

Unter „Reisekrankheiten“ versteht man üblicherweise Infektionskrankheiten, die auf den Hund übertragen und in anderen Ländern, aber auch bereits in Österreich vorkommen bzw. häufig auftreten. Länder, in denen diese Erreger häufig sind, d.h. die Ansteckungsgefahr sehr hoch ist, nennt man Endemiegebiete. Diese Gebiete können Teile eines Landes, einzelne Bezirke oder aber auch das ganze Land und die Nachbarstaaten mit einschließen. Dies ist bei der Wahl der Reiseroute bzw. des Urlaubslandes zu bedenken.

Durch den internationalen Reiseverkehr, Importe, aber auch durch geänderte Klimabedingungen können heutzutage Infektionen schon in Ländern nachgewiesen werden, die früher nicht betroffen waren.

Zu den wichtigsten Reisekrankheiten zählen die Borreliose, die Babesiose, die Leishmaniose und die Ehrlichiose oder Anaplasmose und die Infektion mit Herzwürmern.

Die Borreliose

Borrelien sind Bakterien, die in freilebenden Nagetieren, anderen Wildtieren und auch Vögeln vorkommen und durch den Biss von Zecken der Gattung Ixodes (z.B. Ixodes ricinus – der Holzbock) auf Menschen oder eben auch auf Hunde übertragen werden.

Die Borreliose ist in Europa, Amerika und Asien weit verbreitet. Hier existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Borrelienarten, die in den verschiedenen Ländern unterschiedlich häufig vorkommen.

Die Übertragung erfolgt ca. 48 Stunden nach Beginn des Saugakts der Zecke. Die Erreger werden mit dem Speichel der Zecke in die Haut des Wirtes (also des Hundes) abgegeben und wandern von dort weiter ins Gewebe, von wo aus sie verschiedene Organe (z.B. die Haut oder die Gelenke) besiedeln können.

Die Symptome einer Erkrankung sind sehr unspezifisch und können auch erst bis zu 5 Monate nach einer Infektion auftreten. Der typischen Rötung der Haut beim Menschen stehen beim Hund Symptome wie Fieberschübe, wechselnde Lahmheiten, Schwellung der Gelenke, aber auch Mattigkeit und Lymphknotenschwellungen gegenüber.

Auch die Diagnose ist schwierig zu stellen, da die Erreger oft nicht direkt nachgewiesen werden können und eine Antikörperbestimmung häufig keine eindeutigen Hinweise geben kann.

Die Behandlung ist allerdings gut mit einem entsprechenden Antibiotikum möglich.
Auch ist in Österreich seit ein paar Jahren ein Impfstoff gegen Borreliose verfügbar.

Ob diese Impfung für Ihren Hund sinnvoll ist, sollte im Einzelfall entschieden werden, hier beraten wir Sie gerne.

Die wichtigste Maßnahme gegen eine Erkrankung bleibt sicher auch in Zukunft, die sog. Zeckenprophylaxe – also die Vorbeugung eines Zeckenbefalls – mit geeigneten beim Tierarzt erhältlichen Mitteln und die möglichst rasche Entfernung bereits am Tier befindlicher Zecken.

Die Babesiose

Auch Babesien sind Erreger, die von Zecken übertragen werden. Es gibt sehr viele unterschiedliche Babesienarten, die sich an die unterschiedlichen Zeckenarten und die verschiedenen Tierspezies angepasst haben. Neben Hunden können z.B. auch Schafe, Pferde oder Rinder befallen werden. Im Gegensatz zur Borreliose werden Babesien v.a. von der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) und der braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen. Endemiegebiete sind Nordafrika und der gesamte Mittelmeerraum, Südeuropa bis in den Norden Frankreichs, Ungarn und Teile Polens, aber auch Herde in Deutschland werden beschrieben.

Eine akute Infektion zeigt sich spätestens 28 Tage nach Ansteckung mit Fieber, Mattigkeit und Appetitlosigkeit. Durch Zerfall der roten Blutkörperchen kommt es zu einer Anämie und einer Rotfärbung des Harns.

Aber auch chronische Infektionen mit weniger deutlichen Symptomen kommen vor.

Der Erreger bleibt meist lebenslang im Blut nachweisbar. Auch Antikörper können nachgewiesen werden.
Die Behandlung der Erkrankung ist allerdings schwierig, da Medikamente in Österreich (und auch Deutschland) oft nicht zugelassen und daher nur mit spezieller Genehmigung erhältlich sind.
Auch hier ist die Vermeidung von Zeckengebieten bzw. von direktem Zeckenbefall wichtigste Schutzmaßnahme.

Die Leishmaniose

Leishmanien sind Parasiten, die durch blutsaugende Sandmücken übertragen werden.

Auch bei den Leishmanien existieren verschiedene Arten, so werden in Nordafrika andere Arten als in Europa nachgewiesen. Die Verbreitung der Erreger korreliert mit den Verbreitungsgebieten der Sandmücken. Dies sind alle Mittelmeeranrainerstaaten, aber auch in Deutschland konnten bereits Sandmücken nachgewiesen werden.

Hochendemiegebiete (bei der Urlaubsplanung berücksichtigen!) sind: Südfrankreich, die Balearen, Andalusien, Portugal, Zentral- und Süditalien (v.a. Sizilien), sowie Zentral- und Südgriechenland.

Auch Tiere, die aus entsprechenden Ländern nach Österreich importiert werden, sind potentiell Leishmaniose gefährdet und sollten vor (!) der Aus- bzw. Einfuhr entsprechend untersucht werden.

Träger der Krankheit können Monate bis sogar Jahre symptomlos bleiben, d.h. nicht erkranken.

Betroffene, d.h. erkrankte Tiere zeigen Lymphknotenschwellungen, sowie oft schuppige Hautveränderungen v.a. an den Ohrrändern, am Nasenspiegel und um die Augen. Außerdem kann eine reduzierte Belastbarkeit des Hundes auffallen. Die Erreger können direkt aus den veränderten Hautstellen oder auch vergrößerten Lymphknoten nachgewiesen werden. Auch eine serologische Abklärung (also eine Antikörperbestimmung) ist möglich.

Als Therapie eignen sich verschiedene Kombinationstherapien. Eine vollständige Elimination des Erregers gelingt jedoch nicht, d.h. der Hund bleibt ein Leben lang Träger dieser Krankheit!

Daher sollten Reisen in entsprechende Gebiete bzw. der Import von Tieren aus diesen Ländern vermieden werden. Die vorsorgliche Behandlung gegen die übertragenden Mücken ist die beste Vorbeugung. Auch eine Impfung ist in Österreich möglich.

Auch für den Menschen ist die Leishmaniose gefährlich. Eine Erkrankung kann sogar tödlich enden, v.a. Kleinkinder und immungeschwächte Personen sind gefährdet.

Die Ehrlichiose/Anaplasmose

Ehrlichien und Anaplasmen sind Bakterien, die in Europa von der braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) und vom Holzbock (Ixodes ricinus) übertragen werden.

Die Verbreitung der Erkrankung entspricht wiederum der Verbreitung der jeweiligen Zeckenart. Erstere kommt v.a. in Zentral – und Südfrankreich, den Mittelmeeranrainerstaaten, Portugal und den Kanaren vor, der Holzbock in Skandinavien, Großbritannien, Deutschland, Polen, Ungarn, Österreich, Tschechien, Slowenien, Kroatien, Bulgarien, Frankreich, sowie Nordspanien und –italien.

In der akuten Phase sind die Symptome nach einer Ansteckung meist mild und unspezifisch, Fieberschübe, Lethargie und Augen- und Nasenausfluß sind möglich. Später kann es zu erhöhter Blutungsneigung (z.B. spontanes Nasenbluten) mit Anämie und Gewichtsverlust kommen.

Die Erreger können direkt aus dem Blut oder serologisch mittels Antikörper nachgewiesen werden.
Die Therapie erfolgt mit Antibiotika. Die Zeckenprophylaxe sollte wiederum an erster Stelle stehen. Auch für den Menschen sind diese Erreger gefährlich.

Der Herzwurm

Der Herzwurm ist in Europa hauptsächlich in den Mittelmeerländern verbreitet. Besonders betroffen sind Norditalien, Spanien, Südfrankreich sowie der östliche Mittelmeerraum. Auch im Süden der Schweiz (Tessin) kommen Herzwürmer vor. Generell breitet sich das Vorkommen immer weiter aus, die Gefahr durch Herzwürmer sollte daher nicht verharmlost werden.

Überträger sind Mücken. Erwachsene Herzwürmer scheiden Larven in die Blutbahn aus, diese werden von der Mücke bei einer Blutmahlzeit auf einem infizierten Tier aufgenommen. In der Mücke entwickelt sich die Larve weiter und kann so mit dem nächsten Stich auf einen (bis dahin gesunden) Hund übertragen werden.

Ein geringer Befall bleibt meist symptomlos und wird daher oft übersehen. Bei massiven Befall treten Husten, Blutarmut, Leistungsminderung und Gewichtsverlust auf. Im Spätstadium kann die Erkrankung zum Herzversagen und damit zum Tod führen, da sich die Herzwürmer im rechten Herz und den dazugehörigen großen Gefäßen ansiedeln. Ein ausgewachsener Wurm wird bis zu 30 cm lang.

Auch Katzen können erkranken.

Trotz dieser Vielzahl an Gefahren, die auch auf unsere Hunde in den Urlaubsgebieten lauern, sollte dem Urlaub mit dem Hund mit entsprechender Planung und sinnvollen Vorsorgemaßnahmen nichts im Wege stehen. Informieren Sie sich rechtzeitig und denken Sie auch an die Reiseapotheke für sich und Ihren Vierbeiner.